[Titelfragment 1.1] [Titelfragment 1.2] Titelfragment 1.3]
[Titelfragment 2.1] [Titelfragment 2.2] [Titelfragment 2.3]
[Titelfragment 3.1] [Titelfragment 3.2] [Titelfragment 3.3]



Die Felswand (V)

Das folgende Foto, bezeichnenderweise ein wenig unscharf, soll einmal mehr an die Schwierigkeiten der Artbestimmung bei den Tardigraden erinnern.
Es dient hier in erster Linie als Beleg, dass wir auch an der ÷sterreichischen Felswand "ziemlich normale Echiniscen" gefunden haben.

Der große Vorteil des Amateurstatus liegt darin, daß wir nun nicht unbedingt bei jedem Bärtierchen, das uns über den Weg läuft, brav alle Filamente und Dornen abzńhlen/vermessen müssen, nur um in die Nähe einer Artzuweisung zu gelangen.
Beim hier abgebildeten, lebendigen und lebendig erhaltenen Bärtierchen ist immerhin erkennbar, daß in den Positionen A, B, C und D (die Nomenklatur wird im obigen Link erklärt) fadenartige Panzeranhänge, sogenannte Filamente, vorhanden sind, was uns in der alten Systematik nach Ernst Marcus wohl in Richtung Echiniscus blumi-"Gruppe" transportieren würde. Unerfreulicherweise wird diese Gruppe schon bei Marcus in einem weiteren, sich über zwei volle Textseiten hinziehenden, klassischen Bestimmungsschlüssel noch weiter aufgedröselt.


[ Alle Filamente vorhanden ... ]

Echiniscus-Bärtierchen von der österreichischen Felswand. Rotäugig.
Körpergröße ca. 0,3 mm.

Natürlich könnten wir auch die, im folgenden gezeigten Details der vorgefundenen Panzerung genauer studieren, beschreiben und vermessen. Bei der Beschreibung derart kleiner Details (Erhebungen? Vertiefungen?) gelangen wir allerdings regelmäßig an die Grenzen der Lichtmikroskopie, die uns in diesen Dimensionen, an der Lichtbeugungsgrenze, trügerische Formeigenschaften vorgaukelt, die in der Realität nicht immer so vorhanden sind, wie wir sie vermeintlich sehen (die berühmte Sechseckfelderung der Diatomee Pleurosigma angulatum, die sich in dieser Form im Rasterelektronenmikroskop nicht wiederfindet, sollte uns hier eine Warnung sein). Deshalb wissen wir auch bei der unten gezeigten Bärtierchen-Panzerung nicht so genau, welche Strukturen weiter oben, weiter unten oder womöglich "weder-noch" sind, z.B. lediglich auf Kontrastunterschieden beruhen.


[ Blick auf den Panzer ]

Echiniscus-Bärtierchen. Blick auf die Panzerung bei hoher Vergrößerung (Ölimmersion).

Lohnender und interessanter erscheinen uns andere Merkwürdigkeiten, wie beispielsweise die im Bild unten gezeigte Verdoppelung eines einzigen dorsalen Dorns (beim hier gezeigten Bärtierchen waren die übrigen Dornen nicht verdoppelt!). Wie beim Menschen, der ja auch nicht streng symmetrisch ausgebildet ist - denken wir nur an unsere Gesichter - gönnt sich die Natur auch bei den Bärtierchen in der Realität regelmäßig Abweichungen von der strengen Symmetrie. Die idealisierten Darstellungen eines Ernst Haeckel in seinen "Kunstwerken der Natur" lassen uns ins Grübeln kommen, ob die Asymmetrie sozusagen ein Mangel ist, hervorgerufen durch irdische Zwänge und Zufälligkeiten, während der Masterplan der Schöpfung womöglich eine ideale Symmetrie ansteuert?


[ Der Doppeldorn ]

Echiniscus-Bärtierchen. Merkwürdiger Doppeldorn auf der rückenseitigen Panzerung.

Sollte jemand unter unseren Leserinnen und Lesern selbst ähnliche Doppeldorn-Beobachtungen gemacht haben oder aus der Literatur kennen, würden wir uns über einen entsprechenden Hinweis freuen.






Das Bärtierchen-Journal empfinden Sie gelegentlich als ein wenig zu seicht, zu ausufernd oder zu unübersichtlich? So etwas kann vorkommen.

Am besten hilft in solchen verzweifelten Notlagen Janice Glimes gut strukturiertes Tardigraden-Kapitel in ihrer on-line Bryophytenpublikation. Alles leider nur auf Englisch, aber mit einem wirklich guten Text und einigen nicht minder gut gelungenen Bildern (aus dem Bärtierchen-Journal ;-). Dort finden Sie fast alles Bärtierchen-Wichtige auf respektablen 20 Seiten gut zusammengefaßt: Janice Glimes "Tardigrade Survival"



Literatur

Ernst Marcus: Tardigrada. Jena 1928 [Echiniscen-Bestimmungsschlüssel ab S. 42]


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© Text, Fotos und Filme von  Martin Mach