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Sieh, das Gute lag so nah ... übrigens auch bei den Mülltonnen!

Nachdem die ernsthaftere deutsche Kultur im Bärtierchen-Journal bislang zu kurz kam lag es nahe, auch mal einen Klassiker zu zitieren, wenn auch - zugegeben - ein wenig modifiziert.

Immer wieder erreichen uns verzweifelte Mails folgenden Inhalts: "Ich finde keine Bärtierchen, wo kann ich welche kaufen?". Fernab jeglicher pädagogischer Absicht lautet die zwangsläufige Antwort: Einsammeln ist einfacher als kaufen. Wir müssen nur ein wenig aktiv werden, lediglich geringfügig aktiver als beim unschlagbar bequemen Ebay- oder YouTube-Klick.

Damit diese Botschaft nun nicht zu besserwisserisch erscheint, möchten wir sie anhand einer eigenen Fehleinschätzung veranschaulichen: Jahrelang hatten wir vergeblich nach den wunderschön attraktiven, roten Echiniscus-Bärtierchen Ausschau gehalten, sie schließlich auch ca. 15 km weit weg, an einer ziemlich verschwiegenen Lokalität, jenseits des nördlichen Münchner Zivilisationsrands ausgemacht. Der Fundort war dann leider bald 'verbrannt', nachdem die Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma uns verdächtigten, von dort aus die Versuchsstrecke eines weltbekannten bayerischen Automobilherstellers auszuspionieren (wobei fairerweise zu berücksichtigen gewesen wäre, dass uns die Verzweiflungstaten im aktuellen Automobildesign eher mit Mitleid als mit Neugier erfüllen).

Gut ein Jahrzehnt hat es dann noch gebraucht um zu erkennen, dass wir ein sehr ähnliches Fundergebnis genauso gut auch in ca. 30 m Entfernung von zuhause erzielen konnten. Der im Folgenden beschriebene Ort wirkt auf den ersten Blick ziemlich authentisch-trist, hat offensichtlich rein gar nichts mit unberührter Natur, maritimer Exotik oder tropischem Regenwald zu tun: Ein Mülltonnenhäuschen, in seinem gnadenlos betonierten Faltenwurf an so manches aktuelle Automobildesign erinnernd (und nein, wir haben wirklich nicht bei den Automobilbauern spioniert, die automobilen Farb- und Formkatastrophen stehen und fahren ja ohnehin überall herum!).


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Abb. 1: An diesem Ort, auf einem innerstädtischen Mülltonnenhäuschen, fanden sich reichlich unterschiedliche Bärtierchenarten, zum Beispiel das - im städtischen Bereich nicht weiter überraschende - gewalttätig-kannibalisch angehauchte Milnesium tardigradum, aber auch jede Menge der bereits erwähnten, attraktiven Echiniscus-Bärtierchen!

Dort wurden wir fündig, und zwar, wie unsere Leserinnen und Leser schon ahnen werden, vorzugsweise im gelegentlich besonnten Bereich "3".

Wurden?

Genau: wurden. Den Betonfaltenwurf hat nämlich ein gutmeinender Perfektionist inzwischen gereinigt. Zitieren wir doch einfach mal aus der Werbebroschüre eines einschlägigen Kampfmittelherstellers:

- Moose und Flechten sind kein erfreulicher Anblick
- Schadwirkung: Verschmutzung, Materialschäden, Rutschgefahr
- Richtig erkannt, wirksam gebannt!
- Und achten Sie darauf, dass diese Produkte nicht in Kinderhände geraten


Im folgenden Journal werden wir berichten, was wir aus der Zeit vor der Dampfstrahlerkatastrophe noch retten konnten.


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Abb.2: Hier schon mal eine kleine Vorschau zur geretteten Tonnenhäuschen-Moosfraktion. Bereits bei der oberflächlichen Inspektion des noch nicht gewässerten Mooses sind, dank der LED-Lampe blau aufleuchtende Echiniscus-Trockenformen (sogenannte Tönnchen) zu erkennen. Und wenn man, wie hier auch nur ein einziges Tönnchen von außen an einer Moospflanze sieht, stehen die Chancen gut, dass noch mehr Bärtierchen im Inneren der Moosblättchen eingewickelt sind. Nota bene: Hier handelt es sich um einen leichtsinnigen Trödler (genaugenommen: eine leichtsinnige Trödlerin), der/die zu langsam war um beim Schwinden des Wasserfilms noch in die wesentlich besser geschützten, innenliegenden Hohlräume des Blätterwerks zu flüchten. Vielleicht waren aber auch die anderen einfach schneller, so ähnlich wie bei der gnadenlosen "Reise nach Jerusalem" in unseren Kindergärten ...

Ernte 2019! Bis bald.



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© Text, Fotos und Filme von  Martin Mach