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Unsere Taxonomie-Serie - in Kooperation
mit Dr. Rolf Schuster** |
Wer meint, das Bärtierchen-Journal sei eher unpolitisch, der hat ja recht. Nicht entgangen ist uns allerdings die Tatsache, dass eine große Eisscholle auf der Erd-Nordhalbkugel derzeit die bizarre Begehrlichkeit eines zeitweise eher orangen, jetzt jedoch zunehmend vergrauenden Machtmenschen geweckt hat. Lösen wir deshalb kurz das Auge vom Mikroskopokular und betrachten die Situation aus dem All: |
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Abb. 1: Blick auf eine Globus-Oberseite, mit rot umkreistem Grönland (und dem direkt links anschließenden, arktischen Eismeer) |
Niemand scheint zu verstehen, warum ausgerechnet Grönland
momentan derart viel Besitzgier weckt: Bodenschätze wären zwar reichlich vorhanden.
Sie sind aber anscheinend nicht sonderlich rentabel abbaubar. Auch Wasserenergie gäbe es in
Hülle und Fülle, aber halt leider nur wenige Kabel ... und auch Grönlands
unschlagbar saubere Atemluft lässt sich (noch) nicht in Aktiengewinne ummünzen. |
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Abb. 2: Ein Calohypsibius ornatus-Weibchen
in der Gesamtansicht. Körperlänge 140 µm. Rechts unten im Bild ist
eine einzelne Eizelle samt hell erscheinendem Zellkern zu sehen.
Calohypsibius ornatus hat kein Augenpigment. Die, auf dem Foto nur
andeutungsweise erkennbaren, Stilettfedern setzen seitlich an der Mundröhre an und sind
extrem filigran, fehlen wohl deshalb in der Darstellung des Erstbeschreibers (vgl. Abb. 3).
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Leider zeigt Calohypsibius ornatus in der fotografischen Draufsicht der Abb. 1 nur wenig Bein, so dass wir zur besseren Veranschaulichung seiner Gesamtheit und Schönheit auf eine Originalzeichnung von Ferdinand Richters aus seitlicher Sicht zurückgreifen müssen: |
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Abb. 3: Calohypsibius ornatus in der idealisierten Darstellung seines Entdeckers Ferdinand Richters. Bildquelle [Richters 1900]. |
Das entscheidende taxonomische Charakteristikum sind bis zu 8 auf dem Rücken von Calohypsibius ornatus quer verlaufende Dornenstreifen. In der fotografischen Realität erscheinen die Dornenreihen jedoch sehr viel weniger ebenmäßig als in der Richter'schen Zeichnung: |
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Abb. 4: Detailansicht des Rückens von Calohypsibius ornatus mit Fokus auf den Dornenreihen |
Der Schlundkopf ist winzig, kugelförmig und beherbergt Spalten aus jeweils zwei erbsenrunden Makroplakoiden: |
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Abb. 5: Der Kopfbereich von Calohypsibius ornatus mit rundem Schlundkopf und den Makroplakoiden. |
Trotz aller Sympathie müssen wir die Krallen als leider ernsthaft winzig und für mikroskopische Untersuchungen wenig ergiebig bezeichnen: |
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Abb. 6: Die winzigen Krallen, hier die Krallen am letzten Beinpaar, entsprechen in ihrer Form dem von Hartmut Greven [Greven 1980, S. 14] beschriebenen Calohypsibius-Typus. |
An dieser Stelle möchten wir deshalb die Taxonomie beenden und auf unseren wesentlich ausführlicheren Artikel in der ehrwürdigen, mittlerweile leider herzlos gemeuchelten Zeitschrift MIKROKOSMOS verweisen ([Mach 2009] steht online, siehe unten). |
Nicht vorenthalten sei unserer geschätzten Leserschaft jedoch ein in der FAZ erschienener Artikel, der sich mit dem potentiellen, bärtierchenhaften Aussitzen von Donald Trumps Präsidentschaft mittels Kryptobiose befasst! |
Abb. 7: Donald Trump und die Bärtierchen im Politikteil der FAZ. |
Calohypsibius ornatus wurde übrigens erstmals
nicht in Grönland, sondern vielmehr in Deutschland, und zwar im Taunus gefunden [Richters 1900].
Etwas später kam dann sogar noch eine Reihe weiterer deutscher Fundorte hinzu. |
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Die Namensgebung - dreifach schmeichelhaft! |
Anmerkungen und Literatur
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© Text, Fotos und Filme von Martin Mach |