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Unsere Taxonomie-Serie - in Kooperation
mit Dr. Rolf Schuster** |
Halechiniscus sp. fanden wir mehrmals im Bodensand des Mittelmeers, meist zusammen mit Batillipes sp. Nach der Erstbeschreibung des Halechiniscus guiteli durch Ferdinand Richters [Richters 1908] dauerte es noch viele Jahrzehnte bis weitere, verwandte Arten wie Halechiniscus subterrenus oder Halechiniscus greveni entdeckt wurden [de Zio et al. 1990]. Dies ist nicht vewunderlich, weil die Halechiniscus-Arten allesamt unscheinbar, transparent und extrem klein sind, sich deshalb zwischen ihren Sandkörnern leicht vor den eifrigen Forschern verstecken können. Auch unsere Halechiniscus-Totale (Abb. 1) ist schwer erkämpft und - neudeutsch gesprochen - ein wenig suboptimal: |
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Abb. 1: Halechiniscus sp. aus der Adria. Das hier gezeigte Individuum ist nur knapp 200 µm lang |
Immerhin erkennt man auf dem Foto einige wichtige Charakteristika: verhältnismäßig lange, teleskopartig streckbare Beine und einen ähnlichen Antennenwald wie bei den, im vorigen Journal vorgestellten Batillipes-Tardigraden. Das vierte Beinpaar hat fast halbe Körperlänge. Man könnte dies übrigens als eine typische Eigenschaft von Bewohnern des hindernisreichen Sand-Lückensystems interpretieren: Wenn es inmitten des dicht gepackten Meersands mal vorne nicht mehr so richtig weiter geht, kann nämlich ein rückwärtig festhaltender Anker bzw. ein lang ausgestrecktes, krallenbewehrtes hinteres Beinpaar ungemein hilfreich sein, ähnlich wie ein Seil im Labyrinth. |
Wer sich zu den feinen Unterschieden der (auf den ersten Blick ähnlichen) Antennenwälder von Batillipes und Halechiniscus genauer informieren möchte, kann sich übrigens beim, neuerdings geradezu unheimlich erstarkenden, ChatGPT eine erschöpfend ausgiebige tabellarische Gegenüberstellung anfertigen lassen - so ausgiebig, dass das Bärtierchen-Journal keine Chance mehr hat! Uns bleibt deshalb vorzugsweise die A-Karte, nämlich ein ausgiebiger Blick auf den Hinterleib. Versuchen wir es zunächst am lebendigen Tier, im Hellfeld: |
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Abb. 2: Der Hinterleib eines Halechiniscus sp.. Vier, im Lebensbetrieb nach unten geneigte Krallen aus Chitin an jedem Bein - wir denken nun einfach zurück an das vorige Journal und vergleichen: Batillipes ist mit seinen sechs Haftläppchen an jedem Bein sogar noch etwas üppiger ausgestattet. In beiden Fällen ist jedoch tüchtig Synchronisationsarbeit zu leisten, damit sich Beine und Zehen nicht ineinander verheddern. |
Für den Mikroskopiker, aber auch für den ultra-nervösen Halechiniscus selbst sehr viel weniger stressig ist die mikroskopische Untersuchung einer, bei der Häutung abgeworfenen Cuticula. Die folgend gezeigte Cuticula stammt aus einer vor Elba geborgenen Meersandprobe (Koordinaten 42.741286 10.367185; etwa 15 m ins Meer hinein, 2 Meter tief, vor dem Strand "Madonna delle Grazie"). Sie wurde uns 2024 von einem wohlmeinenden Sponsor zur Verfügung gestellt, der sogar eine Patenschaft für das Elba > München-Mikroaquarium auf unserem Fensterbrett übernehmen wollte! |
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Abb. 3: Eine von Halechiniscus aus Elba abgeworfene Cuticula im Phasenkontrast. |
Immerhin sind wir an diesem Punkt dem allwissenden ChatGPT doch noch ein Quäntchen voraus: Primärerfahrung ist eben doch nicht zu toppen! ChatGPT weiß nämlich derzeit anscheinend noch nichts vom Halechiniscus vor Elba - auch wenn es dort viele Millionen Exemplare geben dürfte: |
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Abb. 4: Ätsch! Hier weiß ChatGPT ausnahmsweise mal weniger als wir. |
Werfen wir nun einfach einen schnellen Blick ins Nagelstudio der Elbaner. Die Zehen von Halechiniscus enden in Klauen aus offensichtlich wesentlich dichterem Material, welches im Phasenkontrast dementsprechend kräftig akzentuiert hervortritt. |
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Abb. 5: Frontalansicht der Halechiniscus-Zehen und -Klauen im Phasenkontrast. |
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Abb. 6: In der Seitenansicht auf die Halechiniscus-Klauen zeigt sich deren Hakenform, die man mit Katzenkrallen oder einem Papageienschnabel vergleichen könnte. |
Besonders erstaunlich erscheint die Tatsache, dass solche Krallen ja nur wenige Tausendstel Millimeter stark sind und trotzdem noch problemlos als zuverlässige Haltewerkzeuge dienen könen! |
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Zur Namensgebung
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Anmerkungen und Literatur
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© Text, Fotos und Filme von Martin Mach |