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Bärtierchenparadies Flechten - Beitrag aus dem Marien-Gymnasium in Werl

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Anmerkung der Redaktion: Wir freuen uns, im Journal - wieder einmal - einen externen Beitrag präsentieren zu können. Copyright-Inhaber von Text und Bildern sind in diesem Monat die Schülerinnen Jule und Maike sowie ihr Betreuer Marco Hagedorn vom Marien-Gymnasium in Werl.
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Stellt man der, in aller Munde stehenden Künstlichen Intelligenz Chat GPT 3.5 die Frage, wo denn Bärtierchen zu finden seien, so gibt diese folgende Orte an: Moos, Laubstreu, Boden, Dachrinnen und Hauswände. Chat GPT nannte in diesem Fall bislang nicht das Sü▀wasser- und Meeres-Sediment - und auch nicht die Flechten.

Von Seiten der, hier (noch) mitdenkenden und mitschreibenden, menschlichen Intelligenz sei angemerkt, dass die Nennung von Dachrinnen und Hauswänden für sich alleine genommen ein wenig irreführend ist, streng genommen nur zusammen mit dort vermittelndem Moos- bzw. Flechtenbewuchs Sinn ergibt.

In einer "Jugend forscht" Arbeit des Marien-Gymnasiums in Werl (2016) wurde von Jule und Maike untersucht, welche Bärtierchen in Flechten leben. Die betreffenden Flechten wurden von Metallbrücken, Baumrinden (Abb. 1) und Steinen abgeschabt und untersucht. In nahezu allen Flechtenproben dominierte das Bärtierchen Ramazzottius oberhaeuseri (Abb. 2 und 3).



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Abb. 1: Beim Blick auf Baumflechten wie diese wird wohl kaum jemand vermuten, dass auch hier Bärtierchen leben könnten.



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Abb. 2: Das Bärtierchen Ramazzottius oberhaeuseri hat sich hier um eine Alge gewunden und plant vielleicht sie anzustechen, um an den zuckerhaltigen Saft zu gelangen.



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Abb. 3: Ramazzottius oberhaeuseri auf dem Sprung. Nach eingehender Inspektion der Alge entschließt sich das Bärtierchen jedoch zum Weitermarschieren. Vielleicht vermisst es seine vertraute Flechtenwiese?


Das Bärtierchen Ramazzottius oberhaeuseri fällt unter dem Binokular sofort durch sein streifenförmiges Muster auf. Die wissenschaftlich interessierten Leserinnen und Leser fragen nun sicher nach den Zahlen, denn es wurde ja behauptet, dass Ramazzottius oberhaeuseri auf Flechten dominiert. Hier die Ergebnisse der Untersuchung:


Flechten-Fundort

Individuen

  Bärtierchenart(en)

Häufigkeit von
R. oberhaeuseri

Metallbrücke in Hagen

12

  Ramazzottius oberhaeuseri

100%

Baumrinde in Werl

24

  Ramazzottius oberhaeuseri
  Milnesium tardigradum

96%

Baumrinde in Soest

11

  Ramazzottius oberhaeuseri
  Macrobiotus hufelandi

9%

Baumrinde in Soest

14

  Ramazzottius oberhaeuseri
  Macrobiotus hufelandi
  Milnesium tardigradum
  Echiniscus testudo

79%


Zudem wurden zwei Flechten auf Steinen untersucht. Hier konnten keine Bärtierchen gefunden werden.


Fazit
Auch wenn die Probenanzahl noch zu gering ist, um eindeutige Schlussfolgerungen zu ziehen, scheint es so, als sei Ramazzottius oberhaeuseri die dominierende Bärtierchenart in Flechten. Weitere Untersuchungen nach dem Jahr 2016 untermauerten diese Vermutung. Zudem sind Flechten sehr angenehm zu untersuchende Objekte: Das Flechtenwasser, mit den darin befindlichen Bärtierchen, erscheint häufig klarer als Mooswasser, welches eher erdlastig und dementsprechend trüb sein kann. Somit gelten die Flechten zu Recht als Geheimtipp, um selbst (s)ein erstes Bärtierchen zu finden!



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© Text, Fotos und Filme von  Martin Mach