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"Sehen - oder doch lieber spielen?" |
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Abb. 1: Das 2-Way i-CUBE Projector Microscope eines unbekannten Herstellers - vermutlich westlich angezettelt und fernöstlich produziert. Direkt unterhalb des schwarzen Okulareinblicks befindet sich der wahlweise zuschaltbare, briefmarkengroße Projektor-Bildschirm. |
Wegen seiner orangen Kosmetik sollten wir nun allerdings dem Gerät keine kleinkariert moralinsauren Vorwürfe machen. In mattem Hellgrau freudlos vor sich hingilbende Instrumente in professionellen Labors sind ja schließlich auch kein Anlass zur Freude! Das schmückende orange Tubus-Gewand des Projektor-Mikroskopes besteht übrigens aus zwei transparenten Halbschalen, die lediglich durch Gummi-O-Ringe (!) oben und unten am Tubus in Position gehalten werden. |
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Abb. 2: In der Seitenansicht sind die wesentlichen Bedienelemente des Projektor-Mikroskopes zu erkennen - ein "OFF / ON"-Schiebeschalter am (kippbaren und in 30° Schritten rastenden) Stativträger, sowie ein weiterer Schiebeschalter am Tubus, der den Bildschirm ("Viewer") aktiviert. Zwei AA-Batterien im Träger speisen eine LED im Objekttisch, die unter zwei gut gemeinten Kondensorlinsen gleissend helles Licht produziert. |
Der Rändelrad-Tubusrevolver lässt sich durch ein frontseitiges Finger-Fenster am Tubus bedienen. Erst beim Blick unter die Haube (Abb. 3) treten drei ziemlich mickrige, graue Objektivzylinder ins Bewusstsein, welche für Gesamtsystem-Vergrößerungen von 100x, 200x und 300x sorgen. |
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Abb. 3: Blick von unten auf die Objektive am Objektivrevolver. Aktiviert ist hier die "200x"-Vergrößerung. Eine derartig knackig-plakative Anzeige würde man sich auch am großen Labormikroskop wünschen! |
Vor der Bilanz mit den optischen Leistungen sei das spielzeugtypisch üppige Zubehör erwähnt: |
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Abb. 4: Die auch von typischen
Kaufhaus-Billigmikroskopen gewohnte Zubehör-Grabbelkiste des Projektor-Mikroskopes
enthält keineswegs nur Ramsch. So finden sich beispielsweise in der Deckglasbox
(links oben im Bild) nicht nur die üblichen rechteckigen Deckgläser, sondern
auch die sehr viel selteneren runden Exemplare und Objektträger-Beschriftungs-Etiketten. |
Auf der Blisterverpackung wird die optische Leistung des Mikroskops
ziemlich selbstbewusst beschrieben, und zwar als geeignet für |
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Abb. 5: Blick durch das Projektor-Mikroskop-Okular auf ein Objektmikrometer bei Einstellung "100x" (abgebildete Objektbreite: 0,5 mm). Immerhin wird die 10 µm Teilung aufgelöst. Dies würde allerdings auch eine gute 20x Einschlaglupe schaffen. Im Hinblick auf die Bärtierchen können wir mit dieser Bildqualität nicht so richtig glücklich werden! |
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Abb. 6: Zum Vergleich (#1) - so sieht dasselbe Objektmikrometer in einem alten "Britex Minor" Schülermikroskop aus. Etwas farbfehlerbehaftet, aber durchaus nutzbar. |
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Abb. 7: Zum Vergleich (#2) - das "Britex Minor", ein pankratisches Kleinmikroskop, mit dessen Hilfe die Aufnahme in Abb. 6 entstand. Dieses Gerät verfügt über einen zweifach ausziehbaren Tubus, der Zoom-Vergrößerungen zwischen etwa 100x und 200x ermöglicht. Leider sind weder Okular noch Objektiv kompatibel mit RMS-Standardoptik. |
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Abb. 8: Der "Käptn Nemo U-Boot Tower" des Projektor-Mikroskops mit seinem 2,8 cm x 2,1 cm großen Projektor-Bildschirm. Das leider furchtbar kontrastschwache Mattscheibenbild soll einen farbenfrohen Pflanzenquerschnitt auf dem Objekttisch wiedergeben, schafft dies aber nicht einmal ansatzweise. |
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Abb. 9: Projektorbild eines Objektmikrometer-Details bei Einstellung "100x". Außer der Mattscheibenkörnung ist leider nicht viel zu sehen. Auch erscheint die Vergrößerung sehr viel schwächer als beim Blick durch das Okular. Im Zentrum des schwarzen Kreises hätten wir eigentlich die dort befindlichen Fadenkreuz-Arme samt ihrer 10 µm-Teilung in halbwegs akzeptabler Auflösung erwartet (wie in Abb. 5) - auf dem Bildschirm erscheint jedoch nur eine Art Kreuz-Ahnung. Das ist nun leider wirklich grottenschlecht! |
Resümee: Im Projektor-Mikroskop stecken einige interessant verspielte Konstruktions- und Detailgestaltungsideen. Angesichts der runden Deckgläser und des Nemo-Appeals erscheint auch der von uns im Jahr 2008 entrichtete Kaufpreis in Höhe von € 10 nicht unangemessen. Das Gerät könnte beispielsweise sehr gut als Bestandteil der typischen Mikroskopausstattung von Forensiklabors in deutschsprachigen Fernsehkrimi-Produktionen funktionieren. Man könnte es aber auch für farbenfrohe Tabletop-Aufnahmen von mikroskopierenden Meerschweinchen einsetzen. Bleiben wir deshalb einfach locker und lassen diesmal den gestrengen Wissenschaftler-Laborkittel im Schrank hängen! |
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© Text, Fotos und Filme von Martin Mach |